Logo

Der Beschaffungsmarkt in China

Rasant steigendes Importvolumen

Schon seit Jahren besitzt China als Beschaffungsmarkt große Bedeutung für deutsche Unternehmen.  zunehmend an Bedeutung. Die deutschen Importe aus China beliefen sich 2015 auf 91,6 Milliarden Euro. Noch 2001 waren es weniger als 20 Milliarden.
Trotz erheblicher Kostensteigerungen in den letzten Jahren, insbesondere bei den Personalkosten, ist China immer noch ein kostengünstiger Fertigungsstandort mit einer hervorragenden Infrastruktur. Der Anteil hochwertiger Produkte, z.B. Elektronik, Maschinen und Metallerzeugnisse hat sich deutlich erhöht.

Struktur des Außenhandels

China hat seinen Außenhandel in den letzten Jahren deutlich liberalisiert. Chinesische Unternehmen können ihre Produkte selbst exportieren oder eine Handelsgesellschaft einschalten. Besondere Exportlizenzen werden nur noch für bestimmte Güter benötigt, die jährlich in einer Liste des Handelsministeriums Mofcom und des Zolls festgelegt werden.Darunter fallen im Wesentlichen Rohstoffe, medizinische Produkte und Agrarprodukte. Wer Güter aus diesen Bereichen aus China beschaffen möchte, sollte sich in jedem Fall erkundigen, welche Möglichen Restriktionen es geben könnte.

Gründung einer eigenen Handelsgesellschaft

Für Unternehmen, die regelmäßig in China einkaufen, ist die Gründung einer eigenen Einkaufsgesellschaft eine sinnvolle Möglichkeit. Diese kann bei den chinesischen Lieferanten unkompliziert in lokaler Währung kaufen und den Export abwickeln. Es gelten die allgemeinen Vorschriften für die Gründung von nicht-produzierenden Handelsunternehmen. Eine besondere Exportlizenz ist nicht erforderlich, aber es gibt eine Reihe von erforderlichen Registrierungen:

Mehrwertsteuererstattung für Exporteure

Ob Importgüter aus China günstig sind, hängt auch von der chinesischen Exportförderung ab. Reine Außenhandelsgesellschaften, die keinen Inlandsumsatz erzielen, haben nicht die Möglichkeit die beim Kauf der Güter in China anfallende Vorsteuer auf Mehrwertsteuer anzurechnen, die nur inländischen Kunden in Rechnung gestellt wird. Das chinesische Finanzamt erstattet die gezahlte Vorsteuer, in der Regel aber nicht in voller Höhe, sondern nur anteilig, wobei die Sätze je nach Produkt zwischen 3% und dem regulären Mehrwertsteuersatz von 17% liegen können. Diese Erstattungssätze werden regelmäßig angepasst um damit die Attraktivität der chinesischen Exporte zu steuern. Der ausländische Importeur muss die für seine Güter geltenden Sätze herausfinden und mögliche Änderungen im Blick behalten.

China als Beschaffungsmarkt für Konsumgüter

Aufgrund der Vielzahl der Anbieter und ist der chinesische Beschaffungsmarkt nur unzureichend transparent. Neben Einkaufsportalen wie Alibaba oder Asian Sourcing spielen Messen immer noch eine große Rolle, insbesondere auch wegen der dort möglichen persönlichen Kontakte. Neben einer Vielzahl von branchenbezogenen Messen ist die zweimal jährlich stattfindende Kanton-Messe in Guangzhou immer noch ein wichtiger Anlaufpunkt. Die Messe wird allerdings von Handelsgesellschaften dominiert, und nur wenige Hersteller sind dort direkt vertreten.

Eine häufig verwendete Möglichkeit ist auch die Einschaltung chinesischer Agenten, die auf Provisionsbasis bezahlt werden. Auch in Deutschland ausgebildete Chinesen können diese Aufgabe übernehmen. Problematisch ist allerdings oft, dass nicht unbedingt nach objektiven Kriterien der beste Lieferant gesucht wird, sondern oft persönliche Kontakte oder die Verbindung zum Heimatort die Hauptrolle spielen.

Ein guter Weg die Spreu vom Weizen zu trennen ist die Beauftragung einer spezialisierten Beratungsgesellschaft mit einer Bezugsquellenrecherche. Vinck’s Agency verfügt in diesem Bereich über langjährige Erfahrungen in verschiedenen für deutsche Unternehmen relevanten Branchen.

Eine immer größere Bedeutung nimmt die Auditierung chinesischer Lieferanten auf die Einhaltung von Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards ein. Neben eigenen Audits lassen sich hier spezialisierteAgenturen einschalten. 

Chinesische Handelsgesellschaften legen meist einfach Standardverträge vor, die aber in jedem Fall gründlich geprüft werden müssen.Da China Mitglied des UN-Kaufrecht-Abkommens ist, kann sich der deutsche Einkäufer zum einen hierauf berufen. Weiterhin besteht für den Wirtschaftsverkehr mit China ein „Deutsch-Chinesischer Standardvertrag für Liefergeschäfte“, der beim BFAi angefordert werden kann. Die in diesem Standardvertrag angeführten Punkte bieten dem deutschen Einkäufer mehr Sicherheit als die Standardverträge der chinesischen Import- & Exportgesellschaften.

China als Beschaffungsmarkt für Investitionsgüter

Chinesische Maschinen und Anlagen haben in den letzten Jahren qualitativ einen enormen Sprung gemacht und setzen in vielen Märkten bereits Standards. Insbesondere Standardmaschinen, zum Beispiel für Kunststoffprodukte oder Werkzeuge werden in großer Zahl exportiert. Chinesische Hersteller setzen für ihre Exportmaschinen häufig importierte Steuerungen oder Schlüsselkomponenten ein, so dass sich hier bei hohem Qualitätsstandard interessante Einkaufsmöglichkeiten bieten.

Bei Investitionsgütern ist der direkte Kontakt zum Hersteller von größter Bedeutung. Solche Kontakte lassen sich bei Messen in China oder im Ausland knüpfen, wo chinesische Hersteller in der Regel in großer Zahl vertreten sind. Daneben lassen sich die chinesischen Industrieverbände ansprechen, die meist aus den früheren Industrieministerien hervorgegangen sind und immer noch über erheblichen Einfluss verfügen.

Die Abwicklung der Geschäfte weist in der Regel keine größeren Besonderheiten auf. Hersteller einer gewissen Größenordnung können selbst als Exporteur auftreten und benötigen keine Handelsgesellschaften.

 

© Helmut Janus GmbH China-Consult, Essen 2017