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Processing-Verträge

Definition und Anwendungsgebiet

Processing-Verträge umfassen alle Vereinbarungen, nach denen ein chinesisches Unternehmen für einen ausländischen Auftraggeber bestimmte Produkte produziert oder veredelt, die an den Auftraggeber exportiert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Auftraggeber am Kapital des Fertigungsunternehmens beteiligt ist. Es kann sich also aus Sicht des Auftraggebers um eine Tochtergesellschaft handeln, die als verlängerte Werkbank dient oder um einen beliebigen Kooperationspartner, mit dem auf vertraglicher Basis zusammengearbeitet wird.

Das Instrument “Processing Trade” ist insbesondere bei Unternehmen aus Hongkong beliebt, die ihre Fertigung nach China ausgelagert haben, wird aber auch von vielen internationalen Markenherstellern eingesetzt.

Zoll- und Steuervorteile

Der wichtigste Anreiz für Processing-Verträge sind die damit verbundenen Steuer- und Zollvorteile. Rohstoffe und Material für eine Exportveredelung (Processing) dürfen zollfrei importiert werden, wenn nachgewiesen wird, dass die Fertigprodukte zu 100% exportiert werden. Im Gegensatz zu Material, das für den Inlandsabsatz importiert wird, entfällt die Belastung mit Einfuhrzoll. Ebenfalls wird keine Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Da diese abzugsfähig ist, entsteht zwar kein Kostenvorteil, aber die Liquidität wird geschont.
Formalitäten

Um in den Genuss der Zoll- und Steuervorteile zu kommen, muss das Unternehmen einen besonderen “Processing-Status” beim Zoll beantragen. Zum Nachweis der Geschäfte wird ein Zollbuch (shouce) ausgestellt. Zum Erhalt des Zollbuchs sind z.B. folgende Bedingungen zu erfüllen:

Vor- und Nachteile

Der Vorteil des Processings liegt in der kostengünstigen Einfuhr von Importmaterial. Der Status ist universell anwendbar, unabhängig von der Eigentumsform und vom Standort des Fertigungsunternehmens. Ein internationales Bekleidungsunternehmen kann zum Beispiel in Hongkong das gesamte für die Produktion erforderliche Material in einem Container zusammenstellen und dem Verarbeitungsunternehmen in China schicken, ohne dass zu irgendeinem Zeitpunkt Steuern und Abgaben anfallen.
Aus Sicht des verarbeitenden Unternehmens kann es Probleme geben, wenn sowohl für den Export als auch fürs Inland produziert wird. In diesem Fall müssen Bestellungen und Materialwirtschaft streng nach Export- und Inlandskunden getrennt werden, was nicht unerheblichen logistischen Aufwand bedeuten kann.

Standort

Der Processing-Status ist unabhängig vom Standort des Unternehmens. Er kann praktisch überall beantragt werden. Es muss jedoch unterschieden werden zwischen besonderen „Export Processing Zones“ bzw. „Free Trade Zones“ und den nicht in einer derartigen Zone liegenden Standorten. In den Zonen kann unabhängig vom späteren Endkunden das gesamte Material ohne Zölle und Steuern eingeführt werden. Erst wenn Produkte Produkte außerhalb der Zone im Inland verkauft werden, sind Zölle und Steuer auf das dafür importierte Material nachträglich fällig. An den anderen Standorten muss schon bei der Einfuhr das Material für das generelle Lager und das Zollfreilager getrennt werden.

 

© Helmut Janus GmbH China-Consult, Essen 2017